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Familienbuch (Kurzfassung in Deutsch)


Amsterdam

Der Krieg war aus und mein Vater wollte wieder nach Holland. Am 7. April waren meine Eltern am Konsulat. Ende April oder Anfang Mai machten sie sich auf den Weg nach Holland. Das war jedoch nicht einfach. Sie waren drei Wochen unterwegs. Die Fahrt ging über Deutschland, Frankreich und Belgien, und zwar in einem Güterzug zusammen mit 20 Personen in einem Viehwaggon.
In Amsterdam wohnten sie etwa zwei Wochen lang in der Waagenaarstraat. Diesmal auf Nummer 122. Das Elternhaus meines Vaters war in de Waagenaarstraat 109.
Kurz danach übersiedelten wir nach Oostenburg, einem Teil der "Eilanden" (Inseln). Zuerst wohnten wir in der Middenstraat, oberhalb eines Eissalons. Kurz darauf über- siedelten wir einige Straßen weiter in die Nieuwe Oostenburgerdwarsstraat 7.

Middenstraat

Wir waren bei Tante Dirki und Onkel Fritz zum Essen eingeladen. Mama badete uns und zog uns schön an. Als sie jedoch einen Moment nicht aufpasste, saß ich wieder im Badewasser aber diesmal mit Kleidung. Da wir nur diese eine Garnitur hatten, musste sie erst getrocknet werden.

Nieuwe Oostenburgerdwarsstraat

Dort wohnten wir im ersten Stock einer dreistöckigen Häuserreihe. Im Haus Nummer 7 wohnten im Parterre links die Familie Hans und Rie Eggink; sie hatten eine Tochter. Auf der rechter Seite wohnte die Familie Theo Vosveld, sie hatte zwei Söhne. Theo Vosveld hatte offene Tuberkulose. Er schenkte uns immer "Donald Duck"-Hefte und andere Lektüre sowie kleine Süßigkeiten zum Naschen. Wir mussten aber immer alles wegwerfen wegen der Ansteckungsgefahr. Am ersten Stock wohnte auf der linken Seite eine Frau mit ihrem erwachsenen Sohn. Der dürfte damals etwa vierzig Jahre alt gewesen sein. Die Frau hieß Wies und wir nannten sie "Tante Wies". Auf der rechten Seite wohnten wir. Am zweiten Stock, auf der linken Seite wohnte Familie Elsing, sie hatte zwei Töchter.

Auf der anderen Seite, genau über uns wohnte Familie Gerard und Ger van Breevoort. Wir nannten sie Onkel und Tante. Sie hatten zwei Kinder in unserem Alter. Die Tochter hieß Anni, der Sohn Gerard. Mit denen spielten wir auch das erste Mal Onkel Doktor oder Frau Krankenschwester.

Am dritten Stock wohnte links die Familie Bootsma. Sie hatten keine Kinder. Rechts wohnte Familie Monfrans mit ihren beiden Töchtern.

Später wohnten wir dann auf Parterre in der Wohnung, wo vorher Theo Vosveld mit seiner Familie gewohnt hatte. Die Familie Vosveld war übersiedelt.

Rollschuhe

Wir konnten sehr gut Rollschuh fahren. Wir waren fast perfekt und hängten uns bisweilen sogar bei den Autobussen an. Wir fuhren von Oostenburg bis zur Czaar Peterstraat mit.

Sehr beliebt zum Anhängen waren die Wagen von Gend & Loos, einer Zustellfirma mit Niederlassungen in ganz Holland.

Zeeburg

Dort war van Gend & Loos. Das war ein Pferdefuhrwerksunternehmen. Dort waren wir öfter und schauten beim Verladen der Ware zu. Die Pferde hatten ganz kurze Schwanzhaare; die Haare wurden immer abgeschnitten und als Matratzenfüllung verwendet.

Seehund

Zwischen Oosterburg und Wittenburg war einmal ein Seehund im Wasser. Der Seehund war irgendwie durch die Schleusen in das Binnenwasser gelangt. Onkel Hemmy kam an diesem Tag betrunken nach Hause. Er zog sein Hemd aus und wollte den Seehund suchen. Die anderen hielten ihn zurück. Am nächsten Tag wusste Hemmy nichts mehr davon.

Freunde und Bekannte

Wir hatten viele Spielgefährten. Das waren: Lucky van Dam, Lucky Rijbroek, Jani Vlucht, Arie und Freeki Ooms. Kiki Meier war ein Mädchen aus Theos Klasse, das den Französischunterricht besuchte. Dies war für Theo ein Grund, auch die französische Sprache zu versuchen. Dann gab es noch, in der Nähe der Czaar Peterstraat, ein Mädchen mit dem Namen Etna. Sie gefiel mir außerordentlich gut. Ich erinnere mich deshalb so gut, da sie den gleichen Namen hatte, wie der Vulkan in Sizilien. Ich hatte trotzdem keinen längeren Kontakt mit ihr, da wir kurzer Zeit später nach Österreich übersiedelten.

Taschengeld verdienen

Es gab in unserer Straße viele - für uns - alte Leute. Theo und ich fragten fast jeden Tag die Nachbarn in unserer Straße, ob wir für sie zum Bäcker, in die Fleischerei oder in den Gemüseladen gehen könnten, um etwas zu besorgen. Wir bekamen fast immer einige Cent. Wenn niemand Lebensmitteln brauchte, fragten wir nach leeren Pfandflaschen oder Papiersäcken oder -tüten. Auch kleine Medizinfläschen brachten wir in die Apotheke auf Kattenburg, denn auch dafür Geld. Leere  Flaschen brachten wir in die Lebensmittelgeschäfte. Dort bekamen wird Pfandgeld (statiegeld). Die Papiertüten und -säcke brachten wir auf der Gracht zwischen Oostenburg und Wittenburg in ein Geflügelgeschäft. Der Eiermann gab uns für ungefähr fünfzig Säcke ein Ei. Dieses Ei wurde dann am Wochenende verspeist.